Otterhound: Der seltene Wasser-Spezialist aus Großbritannien

Der Otterhound
Kurzinfos & Steckbrief
Der Otterhound ist eine der außergewöhnlichsten und gleichzeitig am stärksten vom Aussterben bedrohten Hunderassen der Welt. Als spezialisierter Meutehund, der ursprünglich für die Jagd auf Otter gezüchtet wurde, vereint er die Ausdauer eines Laufhundes mit der Schwimmfähigkeit eines Seehundes. Mit seinem zotteligen, wasserabweisenden Fell, seinen Schwimmhäuten zwischen den Zehen und seiner beeindruckenden Größe ist er eine imposante Erscheinung. Er gilt als freundlich, eigensinnig und extrem gesellig. Doch Vorsicht: Dieser „sanfte Zottel“ ist ein hochspezialisierter Arbeitshunnd, dessen Haltung in einer modernen Gesellschaft viel Wissen und Engagement erfordert.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 6 (Laufhunde) / Sektion 1.1 / Nr. 294
- Größe: Rüden ca. 69 cm | Hündinnen ca. 61 cm
- Gewicht: ca. 35 kg bis 52 kg (je nach Größe)
- Status: Vom Aussterben bedroht (Vulnerable Native Breed)
Geschichte: Ein Spezialist verliert sein Handwerk
Die Wurzeln des Otterhounds lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. In einer Zeit, in der Otter als Plage für die Fischbestände in den britischen Flüssen galten, brauchte man einen Hund, der sowohl an Land als auch im Wasser über Stunden hinweg eine Fährte verfolgen konnte. Der Otterhound wurde aus verschiedenen Rassen entwickelt, darunter vermutlich der Bloodhound (wegen der feinen Nase) und französische Griffons (wegen des rauen Fells).
Die Meutejagd auf Otter war in Großbritannien ein hoch angesehener Sport, bis sie 1978 aus Naturschutzgründen verboten wurde. Mit dem Verbot verlor der Otterhound schlagartig seine primäre Verwendung. Da er als reiner Haushund aufgrund seiner Eigenständigkeit und seines Bewegungsdrangs schwierig ist, sank die Welpenzahl drastisch. Heute gibt es weltweit schätzungsweise weniger als 1.000 Exemplare, was ihn seltener macht als den Großen Panda. Er steht auf der Liste der gefährdeten einheimischen Rassen des britischen Kennel Clubs.
Erscheinungsbild: Gebaut für das nasse Element
Der Otterhound ist ein großer, starker und mit weitausgreifendem Schritt laufender Hund. Alles an ihm ist auf Funktionalität in feuchtem Gelände ausgelegt. Er wirkt rustikal, beinahe zerzaust, aber dennoch würdevoll.
Fellbeschaffenheit und Farben:
- Das Spezialfell: Das Haarkleid ist 4 bis 8 cm lang, dicht, rau und hart. Es hat eine leicht ölige Textur, die das Wasser abperlen lässt wie bei einer Ente. Die Unterwolle ist wollig und undurchlässig - ein perfekter Schutz gegen kühle britische Flüsse.
- Farbvielfalt: Alle typischen Laufhundfarben sind erlaubt. Von einfarbig Sandfarben oder Rot über Weizenfarben bis hin zu Schwarz-Loh (Black and Tan) oder Blau-Loh. Auch weiße Hunde mit zitronenfarbenen Abzeichen kommen vor.
- Anatomische Besonderheit: Der Otterhound besitzt ausgeprägte Schwimmhäute zwischen den Zehen, was ihm eine enorme Kraft beim Paddeln im Wasser verleiht. Sein Riechorgan ist so fein, dass er „kalte“ Fährten im Wasser noch nach Stunden aufspüren kann.
Wesen: Der freundliche Individualist

Der Otterhound: Markant, rauhaarig und wasserliebend
Das Wesen des Otterhounds ist geprägt von einer stoischen Gelassenheit und Freundlichkeit. Da er über Jahrhunderte in Meuten gelebt hat, ist er extrem gesellig und verträglich mit Artgenossen. Aggression ist ihm völlig fremd. Er begegnet sowohl Menschen als auch anderen Hunden meist mit einer offenen, freudigen Art.
Doch hinter der freundlichen Maske steckt ein passionierter Jäger mit einem ausgeprägten Eigensinn. Otterhounds sind keine Hunde für Kadavergehorsam. Sie wurden darauf gezüchtet, kilometerweit einer Fährte zu folgen und dabei eigene Entscheidungen zu treffen. Das macht sie im Alltag manchmal etwas „taub“ für Kommandos, wenn eine interessante Fährte in der Nase liegt. Sie sind zudem sehr lautstark: Ihr Bellen ist ein tiefes, melodisches „Geläut“, das weithin hörbar ist - eine Eigenschaft, die man in einer Mietwohnung bedenken sollte.
Haltung: Ein Leben im Freien und im Rudel
Der Otterhound ist als einfacher Stadthund kaum geeignet. Er ist ein Naturtalent, das Platz, Bewegung und idealerweise Wasser braucht. Seine Haltung erfordert viel Platz und eine Umgebung, in der er seine Sinne einsetzen kann.
Was ein Otterhound-Besitzer bieten muss:
- Bewegungsdrang: Er ist ein Laufhund durch und durch. Tägliche, stundenlange Wanderungen sind das Minimum. Er ist kein Sprinter, sondern ein Ausdauerathlet.
- Wasserzugang: Ein glücklicher Otterhound ist ein nasser Otterhound. Regelmäßige Schwimmgelegenheiten sind für sein Wohlbefinden essenziell.
- Geselligkeit: Als Meutehund hasst er es, allein zu sein. Eine Haltung mit mindestens einem weiteren Hund ist dringend zu empfehlen.
- Außenhaltung: Dank seines öligen Fells ist er bestens gegen Wind und Wetter geschützt. Eine Haltung mit Zugang zu einem großen, sicher eingezäunten Garten (kein reiner Zwinger!) entspricht seinem Naturell.
Erziehung: Geduld und eine feine Nase
Die Erziehung eines Otterhounds erfordert sehr viel Geduld und Humor. Da er ein Nasenspezialist ist, ist er leicht ablenkbar. Ein Rückruf-Training muss von Welpenbeinen an extrem intensiv geübt werden, da er im „Jagdmodus“ alles um sich herum vergisst. Er reagiert gut auf positive Verstärkung und Futterlob, wird aber immer eine gewisse Unabhängigkeit behalten. Er ist ein Hund für Menschen, die seinen Charakter schätzen und nicht erwarten, dass er wie ein Schäferhund funktioniert.
Gesundheit und Pflege: Robustheit mit öliger Note
Otterhounds sind grundsätzlich robust, haben aber aufgrund ihres kleinen Genpools einige rassetypische Aspekte.
- Fellpflege: Das raue Fell muss regelmäßig gebürstet werden, um Verfilzungen vorzubeugen. Die ölige Textur sorgt für einen typischen „Hundegeruch“, der besonders bei Nässe intensiv ist.
- Ohrenpflege: Die langen Hängeohren sind anfällig für Entzündungen, besonders da die Hunde oft im Wasser sind. Regelmäßige Kontrolle ist Pflicht.
- Gesundheit: Wie bei vielen großen Rassen sollte auf HD (Hüftgelenksdysplasie) und Magendrehung geachtet werden. Eine seltene, aber bekannte Problematik ist eine Veranlagung zu Blutungskrankheiten (Thrombozytopathie).
- Lebenserwartung: Er erreicht meist ein Alter von 10 bis 13 Jahren.
Häufige Fragen (FAQ) zum Otterhound
Ist der Otterhound ein guter Familienhund?
Innerhalb der Familie ist er äußerst freundlich und geduldig. Aufgrund seiner Größe und seines Bewegungsdrangs passt er jedoch besser in aktive Haushalte mit großem Grundstück als in eine kleine Stadtwohnung.
Bellt der Otterhound viel?
Er besitzt ein tiefes, klangvolles Meutegeläut. Er neigt nicht zum grundlosen Kläffen, aber wenn er anschlägt, ist es sehr laut und weithin hörbar.
Kann man einen Otterhound ohne Leine laufen lassen?
Nur in sehr sicherem Gelände. Sein Jagdtrieb und seine exzellente Nase führen oft dazu, dass er einer Spur kilometerweit folgt, ohne auf Rufe zu achten.
Bildergalerie: Otterhound
Entdecken Sie die Welt der seltenen britischen Wasserjäger:










Liebe Leser,
das der Otterhound sich nicht als Haushund eignet ist absolut nicht korrekt….er kann durchaus im Hausgehalten werden. Natürlich sollte man schon in einem Haus und nicht in einer kleinen Wohnung leben. Ein Garten ist immer hilfreich! Da der Otterhound ein Meutehund ist sind seine Menschen auch seine Meute, er sollte niemals alleine draussen gehalten werden, das würde ihn sehr traurig stimmen welches dann durchaus auch lautstark mitgeteilt wird. Alle unsere Welpen leben in einer Familie im Haus, sie lieben die nähe. Auslauf brauchen sie natürlich, den braucht aber auch ein Beagle. Er ist wie oben schon beschrieben ausgeglichen und auch mal mit einer kleineren Runde zufrieden, dann kann man den Hund ob Otterhound oder andere Rasse auch gut auslassten, es sollte ja immerhin auch mehr geben als nur den Auslauf. Dies soll keine Kritik an den Verfasser der oben genannten Beschreibung sein, jedoch muß man einfach sagen das auch der Otterhound ein klasse Familienhund ist, und ein Familienhund lebt nunmal im Haus.
LG
Sabine Bramall