Whippet: Die perfekte Symbiose aus Eleganz, Speed und Sanftmut

Der Whippet
Kurzinfos & Steckbrief
Der Whippet ist wohl einer der vielseitigsten Windhunde der Welt. Oft als „kleiner Bruder des Greyhounds“ bezeichnet, hat er sich längst eine eigene, riesige Fangemeinde erobert. Er ist die perfekte Wahl für Menschen, die das grazile Aussehen und die enorme Geschwindigkeit eines Windhundes lieben, aber ein handlicheres Format für den Alltag suchen. Der Whippet ist ein Meister der Kontraste: Während er im Freien wie ein geölter Blitz über die Wiesen jagt und Geschwindigkeiten von bis zu 50-60 km/h erreicht, verwandelt er sich innerhalb der vier Wände in einen fast unsichtbaren, sanftmütigen Schmusepartner, der weiche Decken und die Nähe seiner Menschen über alles liebt. Er ist ein hocheffizienter Jäger, ein passionierter Rennhund und ein unkomplizierter Familienbegleiter in einem.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 10 (Windhunde) / Sektion 3 / Nr. 162
- Größe: Rüden 47-51 cm | Hündinnen 44-47 cm
- Gewicht: ca. 11 kg bis 20 kg
- Besonderheit: Extrem pflegeleicht; enorme Beschleunigung; sehr geruchsarm
Geschichte: Vom „Rennpferd des kleinen Mannes“ zum Familienliebling
Die Wurzeln des Whippets liegen im England des 19. Jahrhunderts. Während der Adel sich die großen Greyhounds für die herrschaftliche Jagd leistete, suchte die Arbeiterklasse - insbesondere die Bergleute in Nordengland - nach einem kleineren, kostengünstigeren Hund, der dennoch bei der Kaninchenjagd half und für Unterhaltung sorgte. Durch die Einkreuzung von Greyhounds mit verschiedenen Terriern (und vermutlich auch dem Italian Greyhound) entstand ein Hund, der zäh, pfeilschnell und wendig war.
Der Name leitet sich wahrscheinlich vom englischen „to whip“ ab, was die peitschenknallartige Geschwindigkeit beschreibt, mit der sich der Hund aus dem Stand bewegen kann. In den Bergbauregionen wurden Whippets schnell zu Stars bei den sogenannten „Rag-Racing“-Wettbewerben, bei denen sie einem wehenden Tuch hinterherjagten. 1891 wurde die Rasse offiziell vom Kennel Club anerkannt. Sein Weg führte ihn von den staubigen Rennbahnen der Kohleminen direkt in die Herzen und auf die Sofas von Hundeliebhabern weltweit.
Erscheinungsbild: Funktionale Eleganz und pure Muskelkraft
Ein Whippet ist ein Kunstwerk der Evolution. Jede Faser seines Körpers ist darauf ausgelegt, Luftwiderstand zu minimieren und maximale Schubkraft zu erzeugen. Er wirkt zerbrechlich, ist aber in Wahrheit ein Kraftpaket aus Sehnen und Muskeln.
Anatomie, Fell und Farben:
- Die Silhouette: Er besitzt eine tiefe Brust (viel Platz für ein großes Herz) und eine gewölbt Lendenpartie, die ihm wie eine Feder bei der Beschleunigung hilft. Sein Kopf ist lang und schmal mit einem wachen, intelligenten Ausdruck.
- Das Haarkleid: Das Fell ist extrem kurz, fein und dicht anliegend. Da er fast kein Unterfett und keine Unterwolle besitzt, ist der Whippet sehr geruchsarm und haart vergleichsweise wenig. Er ist der ideale „Wohnungshund“, da er keinen typischen Hundegeruch entwickelt.
- Farbvielfalt: Beim Whippet sind laut FCI alle Farben und Kombinationen erlaubt. Ob Sandfarben, Gestromt (Brindle), Blau, Schwarz oder Weiß gefleckt - die Vielfalt ist grenzenlos.
- Die Ohren: Typisch sind die sogenannten Rosenohren - kleine, feine Ohren, die nach hinten gefaltet getragen werden und nur bei Aufmerksamkeit leicht aufgestellt werden.
Wesen: Der sanfte Schatten im Haus

Der Whippet: Kraftvolle Athletik in edler Hülle
Wer einen Whippet im Haus erlebt, kann kaum glauben, dass dies derselbe Hund ist, der draußen wie ein Blitz agiert. Das Wesen des Whippets ist geprägt von einer außergewöhnlichen Sanftmut und Ruhe. Er ist im Haus fast unsichtbar, bellt äußerst selten und liebt es, stundenlang auf dem Sofa zu dösen - am liebsten unter einer kuscheligen Decke.
Er ist extrem menschenbezogen und sensibel. Ein Whippet möchte Teil der Familie sein und sucht aktiv den Körperkontakt. Fremden gegenüber verhält er sich oft höflich-distanziert, taut aber schnell auf. Sein Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden ist exzellent; er ist friedfertig und spielt leidenschaftlich gern mit Artgenossen, wobei er körperbetonte Spiele oft meidet und lieber Rennspiele bevorzugt. Sein Jagdtrieb ist jedoch ein Urinstinkt: Sobald sich ein Kaninchen oder eine Katze bewegt, ist die Ruhe schlagartig vorbei.
Haltung: Viel Sprint, viel Schlaf
Die Haltung eines Whippets ist unkomplizierter, als viele denken. Er passt sich dem Leben in einer Stadtwohnung perfekt an, sofern er täglich die Möglichkeit bekommt, sich „auszupowern“. Er ist kein Hund für Marathonläufe am Fahrrad, sondern ein Sprinter, der kurze, intensive Einheiten liebt.
Wichtige Aspekte der Haltung:
- Auslauf: Tägliche Spaziergänge sind ein Muss, aber das Highlight sind Sprints auf einer gesicherten Wiese oder einer Windhundrennbahn. Er muss mindestens einmal am Tag wirklich rennen können.
- Jagdtrieb & Leine: Da er ein Sichtjäger ist, sollte er in Waldnähe nur abgeleint werden, wenn der Rückruf perfekt sitzt - und selbst dann bleibt ein Restrisiko. Viele Whippets verbringen ihre Spaziergänge in wildreichen Gebieten sicherheitshalber an der Leine.
- Kälteschutz: Aufgrund des dünnen Fells und des fehlenden Körperfetts friert der Whippet im Winter oder bei Regen schnell. Ein funktionaler Hundemantel ist bei dieser Rasse kein Luxus, sondern Tierschutz.
- Komfort: Ein Whippet braucht ein weiches Bett. Aufgrund seiner knochigen Statur empfindet er harte Böden als schmerzhaft.
Erziehung: Sensible Führung ohne Druck
Whippets sind intelligent und lernwillig, aber sie besitzen auch den typischen Windhundstolz. Sie lassen sich nicht mit Drill oder Härte erziehen. Auf laute Worte reagieren sie oft mit Rückzug und Angst. Die Erziehung muss auf positiver Verstärkung, Leckerlis und viel Lob basieren.
Wenn die Bindung stimmt, ist der Whippet ein sehr folgsamer Begleiter. Da er jedoch schnell abgelenkt ist, wenn sich etwas bewegt, sollte das Rückruftraining von Welpenbeinen an oberste Priorität haben. In der Welpengruppe sollte man darauf achten, dass er nicht von massigen Rassen „überrannt“ wird, da er körperlich eher zart gebaut ist. Eine gute Sozialisierung sorgt dafür, dass er ein souveräner und angstfreier Partner wird.
Gesundheit und Pflege: Robustheit in feiner Hülle
Der Whippet gilt als eine der gesündesten und langlebigsten Hunderassen seiner Größe. Da er über Generationen auf sportliche Leistung selektiert wurde, ist er wenig anfällig für Überzüchtungsschäden.
- Pflege: Der Aufwand ist minimal. Gelegentliches Bürsten mit einem Gummistriegel entfernt lose Haare. Da er kaum Unterwolle hat, trocknet er nach dem Regen schnell.
- Verletzungen: Durch seine dünne Haut und das fehlende Fettgewebe kann es beim Toben im Unterholz schneller zu kleinen Risswunden kommen als bei dickfelligen Hunden.
- Narkose-Risiko: Wie alle Windhunde verarbeiten Whippets Anästhetika anders. Ein erfahrener Tierarzt ist hier wichtig.
- Lebenserwartung: Er erreicht oft ein Alter von 12 bis 15 Jahren und bleibt meist bis ins hohe Alter fit und verspielt.
Häufige Fragen (FAQ) zum Whippet
Braucht ein Whippet extrem viel Bewegung?
Er braucht weniger „Dauerlauf“ als man denkt. Kurze, explosive Sprints und normale Spaziergänge reichen ihm völlig aus. Den Rest des Tages verschläft er gern.
Ist der Whippet für Anfänger geeignet?
Ja, sehr! Durch sein sanftes Wesen und seine Anpassungsfähigkeit ist er ein toller Ersthund, sofern man seinen Jagdtrieb ernst nimmt.
Kann man einen Whippet mit Katzen halten?
Im eigenen Haushalt meist ja, wenn er von klein auf an sie gewöhnt wird. Draußen wird die Nachbarskatze jedoch trotzdem als Beute betrachtet.
Bildergalerie: Whippet
Entdecken Sie die Grazie und Schnelligkeit des Whippets:









