Chien d'Artois: Der traditionsreiche Solist der französischen Laufhunde
Kurzinfos & Steckbrief
Der Chien d'Artois ist ein lebendiges Stück französischer Jagdgeschichte. Als mittelgroßer, kräftiger Laufhund verkörpert er die Eleganz und die Ausdauer, die für die Arbeit in den weiten Wäldern der Picardie und des Artois über Jahrhunderte perfektioniert wurden. Er ist kein Hund für jedermann, sondern ein Spezialist, der für seine feine Nase, seine tiefe Stimme und seinen unbändigen Finderwillen geschätzt wird.
- Herkunftsland: Frankreich
- FCI-Standard: Gruppe 6 (Laufhunde, Schweißhunde) / Sektion 1.2 / Nr. 28
- Größe: 53 cm bis 58 cm Schulterhöhe
- Gewicht: ca. 28 kg bis 30 kg
- Besonderheit: Charakteristisches „hasenfarbenes“ Fell und enorme Wetterfestigkeit
Geschichte: Vom königlichen Meutehund zum geschätzten Solisten
Die Wurzeln des Chien d'Artois reichen weit zurück bis in die Zeit Heinrichs IV. und Ludwigs XIII. In der ehemaligen Provinz Artois im Norden Frankreichs war er der bevorzugte Begleiter des Adels bei der Jagd auf Niederwild, insbesondere auf Hasen. Damals war er noch als "Grand Chien d'Artois" bekannt und deutlich größer als der heutige Schlag.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand die Rasse kurz vor dem Aussterben, da sie zunehmend mit englischen Laufhunden gekreuzt wurde. Glücklicherweise gelang es passionierten Züchtern wie Ernest Levair, die ursprünglichen Merkmale zu bewahren und den Standard zu festigen. Während er früher fast ausschließlich in großen Meuten zur Jagd eingesetzt wurde, findet man ihn heute immer häufiger bei der Flintenjagd, wo er als hervorragender Stöberhund fungiert. In Deutschland ist diese Rasse ein echter Exot und wird fast ausschließlich in Fachkreisen geführt.
Erscheinungsbild: Kraftvolle Harmonie und Dreifarbigkeit
Der Chien d'Artois ist ein gut proportionierter Hund, der Kraft und Eleganz vereint. Sein Körperbau ist muskulös, ohne schwerfällig zu wirken. Er besitzt einen breiten Kopf mit tief angesetzten, flach fallenden Ohren, die ihm den typischen Ausdruck eines französischen Laufhundes verleihen.
Fell, Farben und Beschaffenheit:
- Struktur: Das Fell ist kurz, dick, eng anliegend und sehr robust. Es schützt den Hund hervorragend vor Dornen, Unterholz und widrigen Wetterverhältnissen wie Regen und Kälte.
- Farben: Die Rasse ist dreifarbig (Tricolor). Die Grundfarbe ist Weiß, kombiniert mit dunkelfauve-farbenen bis hasen- oder dachsfarbenen Platten. Ein dunkler Mantel oder großflächige Fleckenmuster sind typisch.
- Der Kopf: Der Oberkopf ist meist in einem warmen Falbton gehalten, wobei die Ohren und Augenpartien oft eine leichte Rußung (schwarze Haarspitzen) aufweisen können.
Wesen: Unerschrockener Jäger mit weichem Kern
Der Chien d'Artois wird oft als „angriffslustig“ im Sinne von jagdlich hochmotiviert beschrieben. Er ist unerschrocken, mutig und zeigt eine enorme Entschlossenheit, wenn er einmal eine Fährte aufgenommen hat. Sein Finderwille ist legendär, und er gibt lautstark Laut („Spurlaut“), um seinem Führer den Stand des Wildes anzuzeigen.
Abseits der Jagd ist er ein loyalitätsbewusster und anhänglicher Hund. Er benötigt eine sehr enge Bindung zu seinen Bezugspersonen. Gegenüber seiner Familie zeigt er sich sanft und freundlich. Da er jedoch ein Meuteerbe in sich trägt, ist er gegenüber Artgenossen in der Regel sehr verträglich und sozial kompetent. Sein Stolz und seine Intelligenz erfordern jedoch eine Führungspersönlichkeit am anderen Ende der Leine.
Haltung: Ein Leben für die Fährte
Der Chien d'Artois ist ein Vollblut-Jagdhund. Eine Haltung als reiner Begleithund in einer Stadtwohnung ohne jagdliche Aufgabe ist nicht empfehlenswert und wird dem Wesen dieses Tieres nicht gerecht. Er braucht den Wald, die frische Luft und eine Aufgabe für seine Nase.
Anforderungen an die Haltung:
- Bewegungsdrang: Er ist ein Langstreckenläufer. Tägliche, ausgiebige Bewegung ist das absolute Minimum. Idealerweise wird er jagdlich geführt oder im Bereich Mantrailing/Fährtenarbeit ausgelastet.
- Territorium: Ein Haus mit großem, ausbruchsicherem Garten in ländlicher Umgebung ist ideal. Sein Jagdinstinkt ist so stark, dass er bei einer interessanten Fährte sofort auf Erkundungstour gehen würde.
- Soziale Kontakte: Er sollte nicht isoliert gehalten werden. Der Kontakt zu Menschen und anderen Hunden ist für sein seelisches Wohlbefinden essenziell.
Erziehung: Konsequenz trifft auf Sensibilität
Die Erziehung eines Chien d'Artois erfordert Geduld und eine klare, konsequente Führung. Da er darauf gezüchtet wurde, kilometerweit eigenständig einer Fährte zu folgen, bringt er eine gewisse Selbstständigkeit mit, die von Anfängern oft als Sturheit missverstanden wird.
Er braucht eine Ausbildung, die auf positiver Bestärkung und Vertrauen basiert. Druck oder Härte führen bei diesem sensiblen Franzosen schnell zur Verweigerung. Besonders der Rückruf muss unter starker Ablenkung intensiv trainiert werden, da der Jagdtrieb jederzeit durchbrechen kann. In den richtigen Händen entwickelt er sich jedoch zu einem extrem gehorsamen und verlässlichen Partner.
Gesundheit: Ein Bild von einem Hund
Der Chien d'Artois gilt als eine der robustesten französischen Rassen. Durch die strenge Selektion auf Leistungsfähigkeit blieb die Rasse von vielen modernen Zuchtkrankheiten verschont.
- Rassespezifische Krankheiten: Es sind aktuell keine rassetypischen Erbkrankheiten bekannt.
- Pflege: Das kurze Fell ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten und die Kontrolle der Schlappohren (um Entzündungen vorzubeugen) sind völlig ausreichend.
- Lebenserwartung: Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren ist er ein langlebiger Begleiter.
Häufige Fragen (FAQ) zum Chien d'Artois
Ist der Chien d'Artois für Familien geeignet?
Ja, sofern die Familie sehr aktiv ist und der Hund eine jagdliche oder vergleichbare Auslastung erhält. Er ist freundlich zu Kindern, braucht aber klare Strukturen.
Wie unterscheidet er sich vom Beagle?
Der Chien d'Artois ist deutlich größer und schwerer als der Beagle. Zudem ist er in seiner Arbeitsweise oft konzentrierter und weniger "verspielt" als der kleine britische Cousin.
Kann man ihn in der Stadt halten?
Nur unter sehr schwierigen Bedingungen. Er braucht viel Freilauf und Natur. Die Reizüberflutung und der Bewegungsmangel einer Großstadt entsprechen nicht seinem Naturell.
Bildergalerie: Chien d'Artois
Impressionen des klassischen französischen Laufhundes:









